„Kunst ist nichts anderes als der Ausdruck unseres Traumes.“

– Franz Marc, Briefe aus dem Feld an seine Frau Maria (1914 – 1916)

Die Faszination

Franz Marc hat mich schon immer fasziniert. Nicht nur seine berühmten Tierbilder – das Blaue Pferd, die Füchse, der Tiger – sondern vor allem die Werke seiner letzten Lebensjahre. In diesen Bildern spürte ich eine Entwicklung, eine Bewegung hin zu etwas Neuem. Abstraktere Formen, intensivere Farben, eine fast kosmische Dimension. Wohin hätte ihn dieser Weg geführt?

Auf denselben Straßen

München war Franz Marcs Geburtsstadt. Für mich wurde sie zur Wahlheimat. Vor über 40 Jahren kam ich als Student hierher und machte diese Stadt zu meinem Zuhause – dieselbe Stadt, in der Marc an der Akademie studierte, in der er mit Kandinsky den Blauen Reiter gründete und in der sein Vermächtnis im Lenbachhaus weiterlebt. Wenn ich durch München ging, fragte ich mich oft: Ist er dieselben Straßen entlanggegangen? Hat er dieselben Berge am Horizont gesehen? Diese Stadt verbindet uns über mehr als ein Jahrhundert hinweg.

Der Moment, der alles veränderte

Im Jahr 2005 zeigte das Lenbachhaus eine große Retrospektive zum 125. Geburtstag von Franz Marc. Ich stand in diesen Räumen, umgeben von seinen Meisterwerken, als ich in einer Vitrine etwas entdeckte, das mich nicht mehr loslassen sollte: das Skizzenbuch aus dem Felde.

36 kleine Zeichnungen, entstanden in den Schützengräben vor Verdun. Studien für Gemälde, die Marc nach dem Krieg malen wollte. Pferde, Landschaften, abstrakte Kompositionen – flüchtig hingeworfen zwischen den Schrecken des Krieges, voller Hoffnung auf eine Zeit danach.

Diese Zeit kam nie. Am 4. März 1916 fiel Franz Marc bei Verdun. Er wurde nur 36 Jahre alt.

Eine Frage, die blieb

Ich verließ das Museum an diesem Tag mit einem Gefühl tiefer Trauer. Nicht nur über den Verlust eines Menschen, sondern über den Verlust dessen, was hätte sein können. Diese Skizzen waren Versprechen – Versprechen von Bildern, die nie gemalt wurden. Wie wundervoll wären diese Gemälde geworden?

Diese Frage begleitete mich über die Jahre. Jedes Mal, wenn ich irgendwo ein Bild von Franz Marc sah, dachte ich an diese kleinen Zeichnungen in der Vitrine. An die Gemälde, die nie entstanden.

Eine Möglichkeit entsteht

Als Elektroingenieur war künstliche Intelligenz über Jahrzehnte Teil meines Berufslebens. Ich verstand ihre Möglichkeiten – und ihre Grenzen. Aber KI hatte immer mit Daten, Systemen, Optimierung zu tun. Erst 2024 wurde ich auf die bemerkenswerten Fortschritte in der Bildgenerierung aufmerksam. Plötzlich konnte KI etwas, das ich nie erwartet hätte: künstlerische Stile verstehen und interpretieren.

Ein Gedanke ließ mich nicht mehr los: Könnte ich Marcs Skizzen in Farbe sehen?

Ich wusste: Wenn ich das versuchen wollte, musste ich es richtig machen. Mein technischer Hintergrund half mir zu verstehen, wie ich mit der Technologie arbeiten konnte, aber das allein reichte nicht. Ich studierte Marcs Spätwerk intensiv, las seine Briefe an seine Frau Maria aus dem Feld, recherchierte seine künstlerischen Pläne und seine Gedanken über die Zukunft seiner Malerei. Ich wollte verstehen, wie Franz Marc gemalt hätte, wenn er den Krieg überlebt hätte.

Was daraus wurde

Nach Monaten der Arbeit entstanden Bilder, die mich tief berührten. Zum ersten Mal sah ich diese Skizzen in Farbe – in den Farben, die Marc vielleicht gewählt hätte. Natürlich bleibt eine Unsicherheit: Hätte er wirklich so gemalt? Das kann niemand wissen. Aber vielleicht ist genau das der Reiz.

Diese Bilder sind keine Fälschungen und keine Kopien. Sie sind eine Interpretation, eine respektvolle Annäherung an das, was hätte sein können. Sie sind meine Antwort auf die Frage, die mich seit 2005 begleitet.

The 37th Sketch – weil das 37. Bild das erste ist, das in Farbe existiert.

– Gerhard Frischholz, Gründer von „The 37th Sketch“

Das Fundament der Recherche


KLAUS LANKHEIT
Franz Marc: sein Leben und sein Werk (1976)

ERICH FRANZ
Franz Marc: Kräfte der Natur – Werke 1912-1915 (1994)

FRANZ MARC
Briefe aus dem Feld (1914–1916)

ANNEGRET HOBERG & ISABELLE JANSEN
Franz Marc: Das komplette Werk (Volume I, II & III)

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